Substantiv · Umgangssprachlich · AP-zack-er
Der eine letzte Drink vor dem Heimweg oder vor dem Bett, meist etwas Kurzes und meist nicht wirklich der letzte.
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Deutschland · Deutsch
Deutscher Slang ist geografisch geschichtet, und zwar in einem Maß, das alle überrascht, die die Sprache aus dem Lehrbuch gelernt haben. Ein Brötchen ist in Berlin eine Schrippe, in München eine Semmel, in Stuttgart ein Weck und in Hamburg ein Rundstück; die Bestätigungsfrage am Satzende ist im Norden ne, im Süden gell und in Berlin wa. Daneben gibt es eine zweite Achse: die kleinen Partikeln – halt, eben, na, doch –, die überhaupt keine Information tragen und den größten Teil der Arbeit erledigen, muttersprachlich zu klingen. Niemand unterrichtet sie, und wer sie weglässt, wird einwandfrei verstanden und klingt trotzdem falsch.
Zwei weitere Schichten bringen Außenstehende ins Stolpern. Die erste ist das Kiezdeutsch, die urbane Jugendsprache auf der Grundlage türkischer und arabischer Entlehnungen – wallah, yalla, Digga –, heute unter deutschen Jugendlichen jeder Herkunft allgemein verbreitet, aus dem Mund eines Erwachsenen aber absurd. Die zweite ist das Englisch, das keines ist: Ein Handy ist ein Telefon, ein Beamer ein Projektor, Homeoffice heißt von zu Hause arbeiten, und Shitstorm ist ein Wort, das höflich genug für die Tagesschau ist. Die Einträge unten sagen, zu welcher Schicht ein Wort gehört, und beim Jugendwortschatz auch, ob die Leute es wirklich sagen oder ob es bloß einen Preis gewonnen hat.
50 Begriffe, jeweils mit Bedeutungen und ausgearbeiteten Beispielsätzen.
Auf jeder Seite unten steht deutscher Slang zu einem Thema – alle Begriffe, die wir dazu haben, nebeneinander.
Die folgenden Begriffe tragen die meisten Angaben zum Gebrauch: Register, Herkunft und die Situationen, in denen sie schiefgehen. Sie lohnen sich als Erstes und in voller Länge.
50 Begriffe
Substantiv · Umgangssprachlich · AP-zack-er
Der eine letzte Drink vor dem Heimweg oder vor dem Bett, meist etwas Kurzes und meist nicht wirklich der letzte.
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Substantiv · Informell · AL-mahn
Ein stereotyp deutscher Deutscher: der, der wegen deines Grillrauchs das Ordnungsamt anruft, auf korrekter Mülltrennung besteht und um sechs Uhr früh die Liege belegt. Beschrieben wird ein Verhalten, keine Abstammung.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv, Interjektion · Informell · AHL-ter
Anrede ohne jeden Bezug zum Lebensalter. Älter als Digga und etwas mehr Mainstream; auch reichlich Vierzigjährige sagen es noch.
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Verb · Informell · AHN-bag-ern
Jemanden anmachen – schwer, unübersehbar und meist erfolglos. Der Bagger in der Etymologie arbeitet mit: Das Wort unterstellt Hartnäckigkeit und die völlige Abwesenheit von Feingefühl.
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Substantiv · Vulgär · ARSH-lokh
Ein wirklich übler Mensch, nicht bloß ein Dummkopf. Die meistgebrauchte ernst gemeinte Beleidigung des Deutschen, und das Register ist genau das, was das Wort vermuten lässt.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Umgangssprachlich · BEE-mer
Ein Videoprojektor – das Gerät an der Decke des Besprechungsraums. Ganz gewöhnliches Deutsch und für englische Muttersprachler vollkommen undurchsichtig, denn ein Beemer ist für sie ein BMW.
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Interjektion · Umgangssprachlich · BOH-ah
Der deutsche Allzweckausruf: Ehrfurcht, Genervtheit, Ekel, Ungläubigkeit. Länge und Tonhöhe leisten die gesamte Bedeutungsarbeit – ein kurzes, flaches boah ist Ärger, ein langes, steigendes ist Staunen.
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Wendung, Redewendung · Umgangssprachlich · BOCK HAH-ben
Lust auf etwas haben, zu etwas aufgelegt sein. „Hast du Bock auf Kino?“
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Substantiv · Regional · BROHT-tsyte
Eine kalte Zwischenmahlzeit – Brot, Wurst, Käse, Radi, vielleicht Obatzda – und ebenso die Pause, in der man sie isst. Am Vormittag auf dem Bau, am Nachmittag auf der Wanderung, oder den ganzen Abend im Biergarten.
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Redewendung · Umgangssprachlich · dass ist meer VOORST
Es ist mir gleichgültig. Nicht unhöflich, nicht aggressiv – bloß eine sachliche Feststellung der Gleichgültigkeit, und im Gesprochenen weit häufiger als das neutrale „das ist mir egal“.
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Substantiv · Regional · DEP
Ein Dummkopf, ein Trottel. Das süddeutsche, österreichische und schweizerische Standardwort für einen Idioten, und viel milder als seine norddeutschen Entsprechungen – enge Freunde nennen einander mit echter Zuneigung Depp.
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Substantiv, Adjektiv · Informell · HAH-mer
Etwas Herausragendes: „das ist der Hammer“. Auch bloß als Adjektiv – „Der Abend war hammer“ –, was grammatisch schief und im Gesprochenen völlig normal ist.
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Substantiv, Interjektion · Informell · DIG-ah
Kumpel, Alter, Bruder. Seit etwa 2015 die vorherrschende Anrede der deutschen Jugendsprache und inzwischen so bedeutungsleer, dass sie fast als Satzzeichen funktioniert.
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Substantiv · Regional · GOW-dee
Spaß, Vergnügen, ein Heidenspaß – bairisch und österreichisch. „Eine Gaudi“ ist ein einzelner Anlass des Vergnügens, nicht die abstrakte Eigenschaft.
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Adjektiv · Informell · GYLE — rhymes with 'mile'
Toll, super, klasse. Das deutsche Allzweckwort der Zustimmung und mit Abstand das meistgebrauchte Slang-Adjektiv der Sprache.
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Vorsicht beim Gebrauch
Wendung, Interjektion · Informell · GURN deer
Leiste es dir; los, du hast es dir verdient. Ermuntert jemanden, sich etwas zu genehmigen – den zweiten Nachtisch, die teuren Sneaker, den freien Tag.
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Adverb · Umgangssprachlich · HALT
Die Resignationspartikel. Sie markiert das Folgende als unabänderliche Tatsache, mit der man aufgehört hat zu hadern: „das ist halt so“ – so ist es eben, und es lohnt sich nicht, darüber zu reden.
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Substantiv · Umgangssprachlich · HEN-dee
Ein Mobiltelefon. Das deutsche Standardwort – längst kein Slang mehr, es steht in Verträgen und in Nachrichtensendungen –, zugleich aber der berühmteste Scheinanglizismus des Landes, den englische Muttersprachler verlässlich falsch auffassen.
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Substantiv · Umgangssprachlich · HOHM-off-iss
Die Arbeit von zu Hause, als Zustand und nicht als Raum: „ich bin im Homeoffice“ heißt „ich arbeite heute von zu Hause“, nicht „ich sitze in meinem Arbeitszimmer“.
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Substantiv, Interjektion · Tabu · HOO-ren-zohn
Die stärkste gebräuchliche Beleidigung des Deutschen. An eine Person gerichtet, beleidigt sie deren Mutter – und genau deshalb löst sie Schlägereien aus, was Arschloch nicht tut.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Informell · kar-TOF-el
Ein ethnisch deutscher Deutscher, von außen gesehen – der derbere, ältere Bruder von Alman. Wo Alman ein Verhalten verspottet, benennt Kartoffel die Gruppe.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Umgangssprachlich · KAH-ter
Der Zustand am Morgen nach dem Rausch. „Einen Kater haben“ ist die feste Wendung; das Katerfrühstück ist das fettige Frühstück danach.
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Verb · Informell · KNOOT-shen — the k is pronounced
Ausgiebig und mit Nachdruck küssen – im Unterschied zu küssen, das alles vom Küsschen aufwärts abdeckt.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Umgangssprachlich · KOH-luh
Geld, Zaster. Der am weitesten verbreitete deutsche Geldslang, neutral genug für ein Gespräch im Büro und überall verstanden.
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Adjektiv, Interjektion · Informell · KRAHSS
Extrem, heftig, außergewöhnlich – und dabei wertungsneutral. Eine krasse Party und ein krasser Unfall sind gleichermaßen krass; erst Tonfall und Kontext verraten, ob der Sprecher das gut findet.
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Verb · Umgangssprachlich · mah-LOKH-en
Schuften, sich abrackern – harte körperliche oder zermürbende Arbeit, mit einem Unterton von Klage. Malocht wird auf dem Bau oder in der Doppelschicht, nie am angenehmen Schreibtisch.
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Substantiv · Regional · MASS — short a, as in 'mass', never 'mahss'
Ein Liter Bier im gerippten Glaskrug. Die Standardeinheit auf dem Oktoberfest und im bayerischen Biergarten – und der Grund, warum Leute unterschätzen, wie viel sie getrunken haben.
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Interjektion · Regional · MOYN
Hallo – zu jeder Tageszeit. Der norddeutsche Ganztagesgruß, von Hamburg und Bremen über Schleswig-Holstein und Ostfriesland bis in die nördlichen Niederlande und nach Dänemark.
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Interjektion · Umgangssprachlich · NAH — rising tone
Ein vollständiger Gruß für sich, mit steigendem Ton gefragt: ungefähr „hey – wie geht's?“. Die erwartete Antwort ist ein „na“ zurück, und damit ist der Austausch erledigt. Ausländische Sprecher halten es beharrlich für den Anfang einer Frage.
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Interjektion · Umgangssprachlich · NEH — short, rising
Die deutsche Rückversicherungsfrage: „nicht wahr?“, „oder?“, „weißt du?“. An eine Aussage angehängt, um Zustimmung einzuholen, und dichter gebraucht als jede englische Entsprechung.
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Substantiv · Informell · SHAT-see
Liebling, Süße, Süßer. Die Verkleinerungsform von Schatz und die Standardkoseform zwischen Partnern und von Eltern zu Kindern.
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Substantiv, Interjektion · Regional · SHMAR-n
Unsinn, Quatsch, Blödsinn. Bairisch und österreichisch, und die Standardform, etwas eben Gesagtes abzutun.
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Substantiv · Regional · SHRIP-uh
Ein Brötchen – aber nur in Berlin und Brandenburg. Wer in München eine Schrippe verlangt, erntet einen ratlosen Blick.
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Interjektion · Regional · SER-voos
Hallo und tschüss, in Bayern und Österreich. Es funktioniert in beide Richtungen, was Lernende überrascht, die es als Gruß kennenlernen und es beim Abschied wiederhören.
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Substantiv · Umgangssprachlich · SHIT-shtorm
Eine Welle öffentlicher Empörung, fast immer online – eine Firma, ein Politiker oder eine Influencerin „bekommt einen Shitstorm“. Enger als das englische Wort, das jede chaotische Katastrophe abdeckt.
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Verb, Interjektion · Informell · SMESH
Mit jemandem schlafen oder jemanden als dafür infrage kommend einstufen. Jugendwort des Jahres 2022, begegnet aber vor allem im Spielformat „Smash oder Pass“ und kaum als freies Verb.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Vulgär · SHPAST
Idiot, Vollidiot – ein Behindertenschimpfwort, das beiläufig als allgemeine Beleidigung benutzt wird, vor allem von Jugendlichen und von Erwachsenen, die in den 1990ern Jugendliche waren.
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Vorsicht beim Gebrauch
Substantiv · Regional · SHPAY-tee
Der spätabends geöffnete Eckladen – Bier, Zigaretten, Chips, ein am Tresen angeketteter Flaschenöffner und oft ein paar Stühle davor. Eine Berliner Institution und der Grund, warum die Straßentrinkkultur der Stadt funktioniert.
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Substantiv · Umgangssprachlich · SHPEE-ser
Ein engstirniger Konformist: die Hecke auf den Millimeter geschnitten, die Meinungen aus der Lokalzeitung, tiefes Misstrauen gegen alles Ungewohnte. Eine der meistgebrauchten deutschen Beleidigungen, die nicht im Entferntesten unanständig ist.
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Wendung · Vulgär · fer-PISS dikh
Verschwinde. Grob, aber nicht das Gröbste – es steht über „hau ab“ und unter „fick dich“ und liegt etwa auf der Höhe des englischen „piss off“.
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Vorsicht beim Gebrauch
Adverb, Adjektiv · Informell · FOL
Total, echt – der Arbeitsverstärker der deutschen Jugend- und Umgangssprache: voll gut, voll nervig, voll der Stress.
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Substantiv · Umgangssprachlich · FOL-pfos-ten
Ein kompletter Idiot. Verächtlich, aber nicht obszön – deshalb steht es in Zeitungskolumnen und fällt im Nachmittagsfernsehen.
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Verb · Informell · FOR-glue-en
Sich vor dem Ausgehen in einer Wohnung schon fast in den Rausch trinken, weil die Preise in Club und Bar das vor Ort unbezahlbar machen.
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